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Aktivitäten

Durch den hohen persönlichen Einsatz seitens der BetreuerInnen konnte die Wohngruppe Ikarus mit ihren beiden Häusern und der Außenwohnung ihrem Auftrag gerecht werden, aus der Haft in ungesicherte Verhältnisse Entlassenen, Probanden der Bewährungshilfe und Menschen ohne festen Wohnsitz, Hilfe anzubieten. Hilfe im Rahmen des gesetzlichen Auftrages nach dem SGB XII und hier insbesondere des achten Kapitels Hilfe zur Überwindung besonderer sozialer Schwierigkeiten §67ff SGB XII.

Die Belegung der Wohngruppen hat sich gegenüber dem Vorjahr leicht gesteigert und ist zum Teil auf die längere Verweildauer der einzelnen Bewohner zurück zuführen. Es lässt sich feststellen, dass die Klienten mehr Zeit brauchen um sich zu festigen und eine eigenständige Lebensführung hinzubekommen.

Obwohl die Erreichung von Arbeit und Wohnung als klassische Resozialisierungsziele zunehmend schwieriger werden, konnten im vergangenen Jahr viele Bewohner in eine Beschäftigung vermittelt werden. Die Arbeitsstellen bei den Zeitarbeitsfirmen konnten nicht über einen längeren Zeitraum gehalten werden, da es sich entweder um befristete Arbeitsverhältnisse handelte oder es aber zu Kündigungen kam.

Dennoch war bei allen Bewohnern festzustellen, dass eine Tagesstruktur bei entlohnter Arbeit erheblich zum Selbstwertgefühl beitrug. Trotz Arbeit waren die meisten auf ergänzendes ALG II angewiesen und ohne Hilfe hätten sie den damit verbundenen Verwaltungsaufwand nicht bewältigen können. Viele Bewohner haben das Ziel und die Hoffnung durch eine Arbeit die Unabhängigkeit vom Jobcenter zu erlangen, da sie es satt haben, ständig alles von sich als Person preiszugeben. Die Realität sieht meist jedoch anders aus, da die Einkommensstruktur für ungelernte Hilfskräfte auf niedrigstem Niveau rangiert. Ein anderer Grund ist, dass einige aufgrund psychischer Probleme nicht in der Lage sind eine Vollzeitstelle auszuüben und somit nicht ausreichend Lohn verdienen, um alle Lebenshaltungskosten aus eigener Kraft zu bestreiten.

Neben dem erfreulichen Anstieg der Beschäftigungsverhältnisse hatten wir leider auch eine Zunahme von depressiven Erkrankungen und Suchtrückfällen innerhalb der Bewohnerschaft zu verzeichnen, was die BetreuerInnen erheblich forderte und oftmals eine Anwesenheit außerhalb der regulären Arbeitszeit erforderlich machte.

In zwei Fällen kam es aufgrund erneuter Delikte in der Bewährungszeit zu Verurteilungen, bei denen die Bewohner aber noch bis zum Antritt ihrer Haftstrafe in der Wohngruppe verblieben sind. Hier ist festzuhalten, dass beide Bewohner erstmals erfahren haben, dass Ihnen dennoch ihre soziale Basis, in diesem Fall die BetreuerInnen der Wohngruppe, erhalten blieb.

Die Suchtproblematik, insbesondere Alkoholsucht trat in einem Fall so massiv in den Fordergrund, dass dies auch Auswirkungen auf die gesamte Wohngruppenarbeit hatte, da hier viel Energie der Betreuung, als auch der Mitbewohner gebunden wurde. Motivationsarbeit und massiver Druck, in Form einer Kündigungsandrohung des Wohngruppenvertrages, bewegten den Klienten dazu, sich auf eine Suchtberatung mit Ziel einer stationären Therapie einzulassen. Dazu beigetragen haben zum Teil auch seine Mitbewohner, die ihn immer wieder gedeckt hatten, aber auch in der Entscheidung zur stationären Therapie unterstützen.
Insofern trug die Suchtproblematik eines Bewohners teilweise auch zur Entwicklung sozialen Verhaltens der Anderen bei.

Verstärkt wurde die hohe Arbeitsdichte durch eine Praktikantin, die ihr 6-monatiges Praktikum in der Wohngruppe Ikarus absolvierte. Im Rahmen ihres Praktikums hat sie in Zusammenarbeit mit der Praxisanleitung ein Lehrmodul „Arbeitsrecht“ für die Belange der Bewohnerschaft ausgearbeitet und dies in einem Seminar in Form einer Powerpoint Präsentation den Bewohnern vermittelt.
Auch wenn PraktikantInnen dazu beitragen sich mit den eigenen Arbeitsinhalten und Methoden auseinander zu setzen, so bedeutet es aber auch in vielen Fällen eine erhöhte Arbeitsbelastung für die MitarbeiterInnen. Aus diesem Grund haben wir uns entschlossen im nächsten Jahr erstmal keine PraktikantIn zu nehmen.

Über die Erfolge unserer Betreuungsarbeit lässt sich grundsätzlich folgende Aussage treffen:
Die Wohngruppe gibt vor allem eine stabile soziale Basis und eine weitestgehend feste Struktur, persönliche Ansprache und Beratung, sowie administrative Hilfestellungen zur Existenzsicherung. Entscheidend für einen erfolgreichen Verlauf unserer Wohn- und Betreuungsangebote, ist das Maß an Eigenverantwortlichkeit des Bewohners, die er bereit ist in den Betreuungsprozess einzubringen. Dieses ist notwendig, um nachhaltige und dauerhafte Veränderungen hin zu einer positiven Lebensführung zu realisieren.

Kann der Bewohner trotz Betreuung diesen Anforderungen letztlich nicht gerecht werden, sind auch Mindestbetreuungsziele nicht zu erreichen und der Wohngruppenalltag gestaltet sich schwierig. Ein Teil unserer Bewohner hat es auch in 2011 dementsprechend geschafft, sich durch unser Angebot eine Startbasis in ein straffreies, eigenverantwortliches Leben zu erarbeiten.
In zwei Fällen war der Aufenthalt in der Wohngruppe sehr kurz, einmal 3 Monate und einmal 2 Wochen. Bei beiden Personen trafen hohes Eigenengagement und Eigenverantwortung zusammen, gepaart mit Glück, um in eine eigene Wohnung zu ziehen. Im Fall des zweiwöchigen Aufenthaltes kam es auch zu einem Arbeitsverhältnis.

Grundsätzliche pädagogische Ansätze in dieser Arbeit stellen Empathie, Wertschätzung und Akzeptanz gegenüber der Lebenssituation des Bewohners in ihrer Gesamtheit dar. Für beide Seiten ist Vertrauen und Offenheit die Basis einer gestaltenden Arbeit. Darüber hinaus, ist Nähe und Distanz zu regulieren und im Falle von Rückschlägen, Stabilität, Kontinuität und Kalkulierbarkeit, auch im Hinblick auf mögliche Konsequenzen, anzubieten. Dies beinhaltet von Seiten der PädagogInnen vor allem Belastbarkeit, Konfliktfähigkeit und Klarheit im Umgang mit den Bewohnern.

Bewerbergespräche

Die Bewerbergespräche sind für die Auswahl der Bewohnerzusammensetzung von enormer Wichtigkeit und benötigen Zeit. Durch die hohe Zahl der Bewerber nehmen die Vorstellungsgespräche einen nicht unerheblichen Teil der Arbeitszeit in Anspruch. Der Bekanntheitsgrad unserer Einrichtung ist relativ hoch, hat aber letztendlich nur unwesentlich mit den Belegungszahlen zu tun.

Teilnahme an regionalen und überregionalen Fachkreisen

Durch die regelmäßige Teilnahme am "Kollegentreff" verschiedener Mainzer Einrichtungen der Straffälligenund Wohnungslosenhilfe, der "Landesarbeitsgemeinschaft Betreutes Wohnen“ für Haftentlassene und Wohnungslose in Rheinland Pfalz (LAG) und des Runden Tisches (Treffen verschiedener Mainzer Beratungsvereine und Sozialvereine mit den Leitern des Sozialamtes und des Job-Centers), arbeiteten wir an übergeordneten Themen mit. Die Kollegin Evelin Pfister ist u.a. im Vorstand der LAG tätig, was auch eine Teilnahme an den Treffen der LIGA Fachgruppe Gefährdetenhilfe vorsieht.

Die MitarbeiterInnen der Wohngruppe Ikarus nehmen, wie in den letzten Jahren zuvor, auch weiterhin regelmäßig an einer Weiterbildungsveranstaltung zum Thema Sucht & Schulden teil, welche vier bis fünfmal im Jahr stattfindet. Eine LAG Fortbildungsveranstaltung mit dem Thema Persönlichkeitsstörungen wurde von der Mitarbeiterin Evelin Pfister mitorganisiert und von beiden MitarbeiterInnen besucht.

Freizeitaktiviäten / Spende

Organisierte Grillnachmittage, gemeinsames Frühstück oder gemeinsames Kochen, sowie das jährlich stattfindende Weihnachtsessen außerhalb der Wohngruppe, sind immer noch die meist besuchten Aktivitäten der Bewohner. Die im letzten Jahr angedachte Veränderung des Freizeitraumes in eine Kombination eines Fitness- und Freizeitraumes, konnte aus Zeitgründen noch nicht umgesetzt werden. Deshalb bleibt die Aufgabe bestehen, dass das Angebot des Freizeitraumes dahingehend verändert werden soll, dass Sportgeräte, wie Sandsack oder sonstige Geräte für Kraft- und Ausdauerübungen angeschafft werden.


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